Was sind
Psychogone?
Psychogone sind
Gedankenschöpfungen, welche durch starke Emotionen
und plastische Vorstellungskraft zu einer virtuellen Realität
für den Urheber werden. Er sieht dann dieses Gedankenbild als
Gegenstand oder Person vor sich. Handelt es sich um eine als Psychogon
erschaffene Erscheinung einer Person (oder Wesenheit), so kann auf
diese Art durch wechselwirkende Kräfte eine Verbindung zu dieser
Wesenheit geschaffen werden. Auf dem selben Prinzip beruht die magische
Verbindung und Einwirkung mittels Bilder und Figuren. Je nachdem,
wieviel Seelenkraft in so ein erschaffenes Mentalbild einfließt,
wird die Dichtigkeit und Lebendigkeit eines solchen Abbildes zu oder
abnehmen.
In nachstehendem
Geschehen, das Ramakrishna uns überlieferte, ist
deutlich ersichtlich, wie die Kraft von Ramakrishna in die Erscheinung
einfließt und von dieser religiöse Inhalte wie ein Echo
wieder zurückreflektiert werden.
Aus ,,Reminiscences of
Swami Vivekananda" von Sister Nivedita, zitiert
in:"The Visions of Sri Ramakrishna" von Swami Yogeshananda, Sri
Ramakrishna Math 19?3, S.68
,,Ramakrishna pflegte
eine lange weiße Schnur zu sehen, die aus
ihm selbst herauskam. An ihrem Ende war eine Unmenge Licht. Diese Masse
öffnete sich und in ihr sah er die Mutter mit einer Vina
(Musikinstrument). Dann begann sie zu spielen und wie sie spielte sah
er, daß die Musik sich in Vögel, Tiere und Welten
verwandelte, die sich von selbst in eine Odrnung fügten. Dann
hörte sie auf zu spielen und alles verschwand. Zuerst wurde das
Licht wieder weniger und weniger deutlich, bis es wieder eine
leuchtende Masse war, die Schnur wurde kürzer und kürzer und
das Ganze wurde schließlich in ihn selbst hineingezogen".
Theosophische
Auffassungen
Gedankenschöpfungen
haben in den Jenseitsauffassungen der
Theosophen einen hohen Stellenwert, gibt es doch nach ihrer Lehre eine
eigene Ebene (Mentalwelt), die aus solchen Bildern erschaffen ist.
Aus:C.W.Leadbeater,
"Das Leben im Jenseits", Seite 62
"Kollektive
Gedankenschöpfungen im Jenseits"
"Es ist zu beachten,
daß die Wesen in der Astralwelt nicht nur
ihre eigenen Gedankenformen vorfinden, sondern auch die von all jenen,
die ähnliche oder gleiche Interessen und Glaubensbekenntnisse
verfolgen. Mitunter sind diese Gedankenformen das Produkt ganzer
Generationen, also tausender von im selben Sinn abgestimmter
Gedankenformen.
Bibelgeschichten zum
Beispiel sind Gegenstand häufiger Betrachtung
zahlreicher Menschen seit vielen Jahrhunderten.Sie sind daher im
Astralen durch sehr starke Gedankenformen vertreten.Da aber die
Mehrzahl dieser "Denker" sehr unwissend ist, folgt natürlich,
daß diese Gedankenformen gänzlich falsch sind . Die
Landbevölkerung jeder Nation hat ohne Ausnahme die Helden dieser
Episoden in eine Umgebung gekleidet,wie sie den Landleuten eben
geläufig war, sodaß wir fortwährend den Gedankenbildern
von Christus und seinen Jüngern im Gewande deutscher Bauern oder
in den Lumpen italienischer Lazzaroni begegnen, oder Joseph und seinen
Brüdern im Gewande englischer oder amerikanischer Farmerknechte.
Manchmal hat eine
sensitive oder hellsehende Person, die noch im
Irdischen lebt, solche Gedankenformen gesehen und sie irrtümlich
für übernatürliche Enthüllungen der
tatsächlichen Begebenheiten aufgefaßt.
Aber nicht nur von
biblischen Persönlichkeiten finden wir solche
"Typen" auch viele Charaktere aus berühmten Dramen der
Literaturgeschichte und Figuren aus packenden Romanen können durch
Generationen hindurch von Lesern mehr oder weniger scharf in
Gedankenformen geprägt erscheinen. Ich selbst habe gute Bilder von
Bekoy Sharp und den Brüdern Cheeryhle und sehr lebendige Portraits
von Robinson Crusoe, Sankt Nikolaus, Aladin und Ali Baba gesehen, die
durch die eifrige Phantasie von Generationen märchenliebender
Kinder geschaffen waren. Es kann leicht geschehen,daß ein
entsprechend veranlagtes Kind diese Gedankenbilder sieht und sich durch
den Augenschein überzeugen läßt, daß diese Bilder
Menschen sein müssen. Zweifelsohne sind derartige Illusionen oft
vorgekommen - und nicht nur bei Kindern... "
Das Philips
Experiment
Im Vergleich zwischen
der Erscheinung von Ramakrishna und den
Beschreibungen von Leadbeater erkennen wir bereits, daß es
verschieden dichte Erscheinungsformen geben muß. Tatsächlich
können solche Psychogone bis zu einer solchen Dichtigkeit gebildet
werden, daß es zu Poltergeistphänomenen kommen kann. Das
Philips Experiment ist ein Beispiel hierfür:
Wolfgang M. Harlacher,
Esotera 1979, Heft8, Seite 708 ff, "Die
Erschaffung Philips"
"Dieses
Langzeitexperiment gehört zweifellos zu den
aufschlußreichsten, die je zur Erforschung der Psychokinese, aber
auch im Hinblick auf eine Überprufung von spirilistischen
Erscheinungen unternommen worden sind. Einer Gruppe von fünf
Frauen und drei Männern gelang es, im Rahmen von Seancen nach
spiritistischem Vorbild eine ununterbrochene Serie von Phänomenen
zu erzeugen, wie man sie früher "Klopfgeistern" zuzuordnen
pflegte. Mit einem gravierenden Unterschied: Die "Persönlichkeit",
die sich durch lautes Knachen in der Tischplatte mit ihnen unterhielt,
entsprach in allen Details einer Figur mit Namen "Philip", die sie frei
erfunden hatten......"
Hierzu gibt es auch
ein Buch von Iris M. Owen u. M. Sparrow: "Eine
Gruppe erzeugt Philip" (Untertitel: Das Abenteuer einer kollektiven
Geisterbeschwörung. Die psychische macht der Masse). Aurum Verlag,
Freiburg im Breisgau, 1979
Gedankenfotographie
Aus der
Parapsychologie kennen wir noch weitere Phänomene, die man
den Psychogonen zuordnen kann, auch wenn sie sich völlig anders
präsentieren, nämlich die Gedankenfotografie. Diese ist schon
lange bekannt und erfuhr durch die Experimente mit Ted Serios eine neue
Renaisance. Berichte über diese Experimente erschienen in Buchform
von
Jule Eisenbud:
"Gedankenfotografie", mit einem Vorwort von H. Bender,
erschienen im Aurum Verlag, Freiburg im Breisgau, 1975.
Psychogone in
der Magie
Natürlich war das
unbewußte Erzeugen von Psychogonen und die
Begegnung mit den Erscheinungen schon immer ein Geschehen, das die
höchste Aufmerksamkeit auf sich zog. In der Magie und in
verschiedenen Religionen wurden die Methoden durch die Empirie von
Generationen ausgefeilt und in geheimer Tradition weiter gegeben.. Ich
bringe nachfolgend die Geschichte von tibetischen Zauberern, die ein
Ritual einer Anrufung Yamas durchführten:
Aus der Zeitschrift:
Glückliche 7 Tage, 1978, Seite 28 Artikel von
Felix Reinhardt
"Wenn du schweigen
kannst", sagte der tibetanische Zauberer, "will ich
dir den Höllenfürst Yama zeigen."
"Noch immer ist es
Zeit, umzukehren, o du, der du von den Göttern
behütet wirst." Die Stimme des alten Scherap zitterte vor Angst.
"Der mutige Mann kehrt niemals um," antwortete Roy Harrison ein wenig
pathetisch."Du hast mir versprochen, daß ich ihn sehen soll,
deinen Yama, deinen Fürst der Hölle. Also gehen wir!" Roy
Harrison schritt weiter den steilen Pfad bergan.
Jetzt, kurz vor dem
Ziel seiner Wünsche, dachte er nicht daran,
umzukehren. Monatelang hatte er Scherap, den tibetanischen Zauberer,
durch die Dörfer und Zeltstädte der Bauern begleitet. Er
hatte sich die Freundschaft des Alten erworben und hatte sich mit
dessen Hilfe in einen echten Nukhwa verwandelt, einen tibetanischen
Zauberer. Und jetzt stand der große Augenblick kurz bevor: Das
Treffen der Zauberer aus dem ganzen Land, und die gemeinsame
Dämonenbeschwörung.
Kein Mensch sah
Harrison mehr an, daß er Engländer war. Er
hatte sich die Sitten und Gewohnheiten des Volkes angeeignet und trug
den schlangenartigen Haarknoten auf dem Kopf, das Zeichen der Nukhwas.
Trotzdem war ihr Vorhaben nicht ungefahrlich. Niemand wußte es
besser als der alte Scherap. Es galt als furchtbares Verbrechen, einen
Fremden in die Geheimnisse einzuweihen. Zweifellos würde man sie
beide erschlagen, wenn herauskäme, daß Harrison ein
Weißer war.
Je mehr sie sich dem
Versammlungsplatz näherten, desto
ängstlicher wurde der alte Scherap. Noch einmal bat er Harrison
umzukehren. Mit einem flehenden Blick in den Augen flüsterte er:
"Als ich dir versprach, dich zur Beschwörung Yamas mitzunehmen, da
erschien alles einfach und nicht so gefährlich. Aber jetzt, wo der
heilige Platz vor uns liegt, und ich meine Brüder sehe, wie sie
von Radja hergeströmt kommen, scheint es mir unmöglich zu
sein, deinen Wunsch zu erfüllen. Wir fordern die Götter
heraus ... und die Dämonen."
"Falls irgendetwas
geschieht, Scherap", sagte Harrison mit
gepreßter Stimme, "dann werde ich dich nicht verraten. Ich werde
schwören, daß ich dich nicht kenne und dich niemals gesehen
habe."
"Gut, wenn du
schweigen kannst," sagte der tibetanische Zauberer voller
Resignation, "ich will mein Versprechen halten und dir den
Höllenfürst zeigen."
Zielstrebig ging er
auf die große Lichtung zu. Jetzt war es zu
spät, um noch umzukehren. Sie befanden sich bereits am Rande des
heiligen Platzes. Ihnen gegenüber, am anderen Ende der Lichtung,
lag ein riesiger Findling, mit einer vollkommen platten
Oberfläche. Um ihn herum saßen ungefähr zwanzig
Zauberer, in buttergelbe Schafshäute gekleidet, mit dem
schlangenähnlichen Haarknoten auf dem Kopf. Sie unterhielten sich
nur ab und zu im Flüsterton.
So unauffällig
wie möglich setzten sich Scherap und Harrison
zu ihnen. Der Engländer merkte, daß er vor Aufregung ein
wenig außer Atem war. Aber noch immer war er überzeugt,
daß er irgend einen Schwindel erleben würde, irgendwelche
tibetanische Zaubertricks.
Die Dämmerung
senkte sich rasch über den Platz, und der
Abendwind raschelte durch die Blätter der Pappeln, die die
Lichtung umsäumten. Harrison beugte sich zum alten Scherap nieder
und fragte ihn leise: "Auf wen warten wir?"
"Wir warten auf Drukh
Schim, den großen Zauberer."
Als wäre dies das
Stichwort gewesen, betrat ein großer,
breitschultriger Mann mit hoheitsvoller Miene den heiligen Platz. "Das
ist Drukh Schim, der große Zauberer", flüsterte Scherap. "Er
ist berühmt für seine Zauberkraft im ganzen Norden unseres
Landes."
Schweigend, ohne einen
der Anwesenden zu begrüßen, bestieg
Drukh Schim den Findling und hockte sich auf dessen Plattform nieder.
In seiner rechten Hand hielt er einen menschlichen Hüftknochen,
neben seiner Linken lag eine menschliche Schädeldecke.
Ohne daß
Harrison irgend ein Zeichen bemerkt hätte, begannen
auf einmal alle Zauberer, sich hin und her zu wiegen. Dabei
stießen sie tiefe, singende Töne aus. Und dann
plötzlich die Beschwörungsformel: "Yamantaka! Yamantaka!
Yamantaka!" Der Ruf nach Yama, den Höllenfürsten.
Nach der dritten
Wiederholung dieses Wortes hob Drukh Schim den
menschlichen Hüftknochen an die Lippen. Er war ein Horn, dem ein
getragener, trauriger Ton entquoll. Die Zauberer wiegten sich schneller
und schneller. ,,Yamantaka! Yamantaka! Yamantaka!"
Harrison fühlte,
wie ihn ein unbekanntes Gefühl ergriff, das
seine Skepsis töten wollte.
Er merkte, wie er auf
Yama wartete, obgleich es ihn doch eigentlich
nicht geben konnte. Wollte dieser Mann dort auf dem Findling sie alle
hypnotisieren? Um dem zu entgehen, beschloß Harrison sich auf ein
Schachproblem zu konzentrieren.
Es war unmöglich.
Immer wieder kehrten seine Gedanken zu Yama
zurück. Das abscheuliche Bild, das der alte Scherap ihm von Yama
entworfen hatte, formte sich bildhaft in seinem Gehirn. Nur in seinem
Gehirn ?...Ungläubig starrte Harrison auf den Platz vor dem
Findling. Nein, das war keine Vision. Er, Roy Harrison, aus dem
Königreich Egland sah ihn ganz deutlich: Yama, den Schrecklichen,
den Fürst der Hölle.
Zuerst war er nur ein
Nebelstreifen, an den sich ein anderer und dann
ein dritter reihte. Dann sah er die hervorquellenden, leuchtenden
Augen. Sie stierten voller Tücke und Bosheit. Rechts und links von
diesen Augen verdichteten sich gerheimnisvolle Nebelschwaden. Auf
einmal brachen sie auseinander...und formten sich zu
vierunddreißig Armen und vierunddreißig Händen, von
denen jede ein Instrument der Zerstörung hielt: Dolche, Pfeile,
Speere, Messer...
Von jeder der beiden
Schultern Yamas hing eine Kette aus menschlichen
Schädeln. Auch vom Hals herab fiel eine doppelte Kette von
Totenköpfen, die bei der kleinsten Bewegung grauenerregend
klapperten.
Harrison erschauerte.
Jetzt überkam ihn ein Gefühl der
Furcht, das alle anderen auch zu haben schienen. Die Furcht, daß
sie Yama mit ihrem Willen nicht wieder bannen könnten. Scherap
hatte ihm erklärt, wie schrecklich es wäre, wenn Yama ihrer
Willenskraft entschlüpfen würde. Er würde durch das Land
rasen und größtes Unheil anrichten. Er würde das Vieh
töten und die Weiden verdorren lassen. Kurz, Yama würde mehr
Unheil verbreiten, als auch der höchste aller Lamas wieder
gutmachen konnte.
Wer würde siegen?
Harrison spürte es fast körperlich,
wie die Nukhwas ihre Willenskraft vereinigten, um Yama zu zähmen.
Eine Ewigkeit schien zu vergehen. Dann, endlich, begann die Erscheinung
zu verblassen. Und Harrison, wie alle seine Zauberkollegen,
fühlten eine wilde Freude, als sie bemerkten, daß sie Sieger
blieben.
Ein Teil Yamas nach
dem anderen löste sich auf, bis zuletzt nichts
übrigblieb als zwanzig Zauberer und Drukh Schim, der allein auf
seinem Findling saß. Harrison war in kalten Schweiß
gebadet. Er zitterte am ganzen Körper.
Gotteserscheinungen
Wer kennt sie nicht
die zahllosen Berichte über Erscheinungen
Vishnus, Shivas, Krishnas, der Mutter Gottes. Ich beabsichtige mit
Folgendem nicht die dahinter stehenden göttlichen Existenzen in
Zweifel zu ziehen, sondern möchte durch den Beitrag darauf
hinweisen, daß in all diesen Fällen immer auch ein
bißchen Mensch an der Erscheinung mitbeteiligt ist und auch
zurückreflektiert.
Für tiefer
interessierte Menschen, die in den verschiedenen
Erscheinungen göttlicher Manifestationen aus ihrer Religion
Widersprüche gefunden haben, durch welche mitunter Zweifel an der
Richtigkeit des Glaubens aufgetaucht sind, jene Menschen finden durch
diese Argumentationen vielleicht Erklärungen, welche die
Widersprüche lösen und religiöse Ausrichtung und
Gottesglauben wieder herzustellen vermögen.
In all den
Gotteserscheinungen bildet der Mensch oder das Kollektiv ein
mit ganzer Herzenskraft geladenes ideoplastisches Abbild seiner
religiösen Vorstellung. Dieses. kollektive Paychogon, das sich aus
feinstofflicher Materie aufbaut, dient nun als Mittler zum
göttlichen Ursprung, von wo es auch seine spirituelle Kraft und
seine spirituelle Belebung erhält. Die Gestalt und die Substanz,
also die tieferen Elemente, stammen vom Menschen. In diese durch den
Menschen zu einer Persönlichkeit abgegrenzten Hülle
strömt die Lebenskraft aus hohen Ebenen, aus der kosmischen
Urintelligenz ein, und belebt diese zu einer gnadenvollen,
mächtigen Erscheinung.
Nicht immer muß
die spirituell einfließende Kraft aus der
höchsten Ebene stammen. Sie kann auch in einem Astralreich ihren
Ursprung haben. Ensprechend sind auch Kraft und Art der Erscheinung.
Von diesen reinen
Erscheinungen gibt es alle Übergänge zu den
Persönlichkeits-Psychogonen, so daß alle möglichen
persönlichkeitsgebundenen und kulturellen Nüancierungen
auftreten können mit mehr oder weniger großen Abweichungen
von unseren Idealvorstellungen. Es wäre unrichtig wegen
dogmatischer Mängel, die sich in einer Erscheinung manifestieren
z.B. alle Marienerscheinungen abzulehnen. Wir sollten vielmehr danach
trachten Gott als die innere bewegende Kraft zu erspüren, die sich
in uns und außerhalb unser befindet.


Nachrichten meines Herzens

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