Veränderte
Bewußtseinszustände
Erleuchtung, Samadhi,
Satori
Diskussion:
Bei der Beurteilung
veränderter Bewußtseinszustände
geraten wir in ein Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Religion
(bzw. Esoterik). Beide Teile vermögen zum tieferen
Verständnis Wertvolles beizutragen:
Wann kann ein Zustand
kosmischer Schau als als echt und wann als
Artefakt, als Folge cerebraler Funktionen betrachtet werden?
Es läßt
sich dies nicht so leicht beantworten. "Kosmische"
Scheinerlebnisse können durch das Ausfallen wesentlicher
cerebraler Funktionen auftreten, wie z.B. durch das Ausfallen des
Zeitsinnes, der Raumorientierung, der Ich-Abgrenzung oder des logischen
Denkens mit archetypischer Sehensweise an seiner Stelle. Alle diese
Funktionsstörungen können bei sehr starker Erregung leicht
auftreten. Viele "kosmischen Schauungen" fallen unter diese Kategorie.
Als echt kann man einen Zustand bezeichnen, wenn er einen
Informationsgewinn bringt, dessen Informationsquelle außerhalb
des eigenen cerebralen Systems liegt. So leicht dies gesagt ist, so
schwer entzieht sich dies einer Nachprüfbarkeit.
Was könnte auf
jeden Fall stimmen, unabhängig des
Standpunktes (wissenschaftlich/esoterisch)?
Die Funktionen unserer
Wahrnehmung und unseres Verstehens der Dinge
haben verschiedene Ebenen der Verarbeitung - ähnlich wie beim
Computer. Unsere Logik, wie sie sich nach außen gibt ist eine
sehr koplexe Ebene und entspricht einer entwickelten Programmsprache,
etwa wie Netscape-Editor. Darunter liegt ein einfacheres System, ein
System der Module, es ist das des archetypischen Empfindens und
Kategorisierens und entspricht ungefähr dem Assembler. Noch tiefer
liegen Funktionseinheiten wie Zeitsinn, Raumsinn etc. In einer
kosmischen Schau ob echt oder unecht wird die Verbindung zu einzelnen
solcher Einheiten unterbrochen. Das klingt einstweilen noch sehr
materialistisch und es stellt sich die Frage - was hat das mit
kosmischer Schau zu tun? Nun, wenn es sich nur im Gehirn abspielt, gar
nichts. Der selbe Reduktionsvorgang kann jedoch auch philosophisch in
Hinblick auf das "wahre Sein" des Kosmos vollzogen werden.
Alter und neuer
Auffassungen zufolge ist der Kosmos das Produkt einer
Idee (Gottes) und hinter den vergänglichen Erscheinungen steht
etwas anderes, das nichts mit Materie zu tun hat, nichts mit Raum und
wahrscheinlich auch nichts mit Zeit. Die Vielfalt der Erscheinungen
wird reduziert auf wenige verbleibende Parameter wie z.B. das Empfinden
einer Eigenexistenz (wird natürlich völlig anders empfunden
als im üblichen Tageszustand).
Konventionelle Standpunkte und Erfahrungsberichte
In der Beurteilung
dieser Art von Zuständen gibt es keine
neutralen Standpunkte und wir befinden uns mitten im Spannungsfeld
verschiedener Paradigmen. Ohne Partei ergreifen zu wollen und
esoterische Betrachtungsweisen abzulehnen, möchte ich auf einige
in der Esoterik verbreitete Irrtümer hinweisen, die dadurch
entstanden, daß christliches Gedankengut östlichen
Anschauungen aufgeprägt wurde. "Erleuchtete" werden als
Göttliche Inkarnationen betrachtet und es werden weite Reisen zu
ihnen unternommen. Kritisch wird es, wenn Allwissen in sie
hineinprojiziert wird. Dies entspringt dem Hilfebedürfnis der
Menschen. Die 'Erleuchteten', die diese Umstände in
Sebstgefälligkeit nützen, beweisen damit, wie weit sie von
Weisheit oder dem was man unter Erleuchtung versteht entfernt sind.
Ein
Erleuchtungszustand beinhaltet keine intellektuellen Erkenntnisse
in Form eines Wissenszuwachses im Sinne von Information über die
Welt oder andere Personen; im Gegenteil, in diesem Zustand sind
Intellektualität und Logik nicht existent. "Erleuchtete"
können weise sein, dies ist jedoch nicht zwingend und auf jedem
Fall selten. Speziell in Indien sind "Erleuchtete" oft dogmatisch
eingeengt (das Erfolgserlebnis bestätigt sie in ihrem System) und
Europäern und Amerikanern gegenüber überheblich, auch
wenn sich dies hinter einer freundlichen Maske verbirgt.
Berichte über Erleuchtungszustände von
Personen unseres Kulturkreises
R.M. Bucke,
"Kosmisches Bewußtsein", Celle 1925;
zitiert aus Carl
Albrecht, "Das mystische Erkennen", Bremen (1958), S.
102
"Es ist das Erlebnis
des inneren Lichtes. .. Ohne irgendwelche
Vorahnung fühlt man sich plötzlich wie von Flammen
erfaßt, von einer rosigen brennenden Wolke umgeben, im gewissen
Sinne so, als würde ein Feuer aus seinem eigenen Inneren
emporlodern. .. Dabei besteht eine unaussprechliche freude, Seligkeit,
eine Gewißheit, Triumphgefühl. .. Alle Verstandes- und
Gefühlskräfte werden erleuchtet. .. Der Kosmos ist keine tote
Materie mehr. Blitzartig enthüllt sich der Sinn, das Ziel der
Weltschöpfung."
R.M. Bucke,
"Kosmisches Bewußtsein", Celle, 1925
Aus: Carl Albrecht,
"Das mystische Erkennen", Bremen, 1958, S.102
"....Da fand ich mich
plötzlich ohne irgendein vorhergegangenes
Anzeichen in einer feurigen Wolke. Einen Augenblick dachte ich an
Feuer, an einen großen Brand irgendwo in der Nähe; dann aber
merkte ich, daß das Feuer in mir selbst war. Gleich darauf
überkam mich ein Gefühl unaussprechlicher Freude und Wonne.
Auch folgte unmittelbar eine intellektuelle Erleuchtung, die ich nicht
zu beschreiben vermag. Jedenfalls gewann ich - nicht einfach durch
Glauben, vielmehr durch Anschaung - die Überzeugung, daß das
Universum nicht tote Materie sei, sondern lauter Bewegung und Leben.
Ich wurde mir des ewigen Lebens in mir selber bewußt ...Die
Vision dauewrte nur wenige Sekunden.
Heinrich Zimmer, "Der
Weg zum Selbst", S.76
"....Während
dieses Erlebnisses hatte ich ein Gefühl, als ob
eine Menge Ameisen mir den Rücken hinaufliefen und ein sanftes,
gutartiges Feuer rings um mich herum mit heller Flamme brenne. Dabei
fühlte ich mich selbst ganz körperlos und wie in Lichtglast
getaucht. Der Glast dieses Lichtes war wie Abendsonnenschein, in den
ein feiner Staubregen fällt. Meinen Augen entstürzten
Tränen. Gegen Ende dieses Erlebnisses steiß ich einen Laut
aus, eine Art Ruf, und brach die Meditation ab und begann meinen
Rosenkranz in der gewohnten Weise zu zählen."
Verschiedene Arten von Samadhi (indisch dogmatisch)
Bhava Samadhi
Savikalpa Samadhi
Avikalpa Samadhi
Nirvikalpa Samadhi
Sahaja Samadhi
Bhava Samadhi:
Bhava ist die
Bezeichnung für einen ekstatischen Zustand
'kosmischer Liebe'.
Beispiele:
"Die Musik zog Indira
Devi nach innen, aber in dieser weltfernen
Versunkenheit verlor sie doch nicht das Wachbewußtsein
gänzlich. Manchmal tanzte sie in diesem Zustand vor
Verzückung."
Zitat: S.189 aus:
'Asiatische Mystiker', Hellmuth Hecker, Octopus
Verl., Wien 1981
Ramakrishna rezitiert
das Mahimna Sutra. "Eines Tages betrat
Ramakrishna einen Shiva-Tempel und began als Lobpreisung Shivas das
Mahimna-Sutra zu rezitieren. Als er im Begriff war, das Sutra zu
sprechen, fand er sich plötzlich in Ekstase. Ramakrishna war
eingetaucht in das Gefühl der Herrlichkeit Shivas, er verlor sein
irdisches Bewußtsein, vergaß den Hymnus, die worte, die
Sprache, die Folge der Verse und alles andere um sich. Immer wieder
rief erv laut aus: 'Oh großer Gott, wie kann ich Deine
Herrlichkeit ausdrücken?' Während Ramakrishna so in Ekstase
verweilte, lief ein Strom von Tränen über die wangen, die
Brust, seine Kleider, so daß schleißlich sogar der Boden
naß war. Die Diener und Aufseher des Tempels kamen von allen
Seiten gelaufen, als sie dieses Weinen und die mit halb versagender
Stimme hervorgebrachten Worte, wie von einem Verrückten,
hörten. Wie sie ihn in diesem außergewöhnlichen Zustand
fanden, waren sie erstaunt und glaubten, sein Geist sei verwirrt.
Einige lachten über ihn, andere wollten den 'Verrückten' aus
der Gegenwart Shivas entfernen.
Mathur Babu aber war
gerade im tempel der Kali und kam sofort, als er
von der Aufregung um den jungen Priester (Ramakrishna) hörte. Er
erkannte den Zustand Ramakrishnas sofort und warnte erbost die
Tempeldiener.
Als ramakrishna bald
darauf aus seiner Entrückung
zurückkehrte und all die Menschen um sich sah, fragte er angstvoll
wie ein Kind: 'Habe ich denn etwas Falsches getan?' Mathur
grüßte ihn und sagte: 'Nein, Vater, du hast einen Hymnus
rezitiert. Ich stand hier, damit dich nicht jemand gedankenlos
störe."
Zitat: Saradananda:
'Ramakrishna the Great Master', S. 431, Madras,
Indien, 1970 (4.Auflage)
Sa-Vikalpa Samadhi:
Das "Aussteigen aus
dem fleischlichen Körper" im Zustand der
Ekstase.
"Im Jahre 1954 hatte
Dilip Kumar Roy in Allahabad einen Freund vile von
Ramdas, einem südindischen Heiligen, erzählt, den Dilip ein
Jahr vorher kennen lernte. Nachdem er dann schlafen gegangen war,
wachte er pl&puml;tzlich auf und hörte die Stimme von Ramdas:
'Komm, komm - hier herauf!'
Und da geschah es:
mein hämmernder Schädel öffnete sich
oben und ich sah mich selbst himmelwärts schnellen, das Blau im
Flug durchqueren, bis ich auf einmal erkannte, daß ich mich
außerhalb meines Körpers befand. Es war wirklich eine
Samadhi-Ekstase, die mich zutiefst erregte - ein gesegneter,
befreiender Sprung (mukti) aus dem Gefängnis des Fleisches. Doch
wie kann ich mit Worten die Verzückung beschreiben, die ich
erfahren mußte, um sie zu glauben? Als ich in meinen Körper
zurückkehrte, schwang die Verzückung noch nach."
Zitat: Hellmuth
Hecker, 'Asiatische Mystiker', S.179-180, Octopus Verl.
Wien, 1981
Über Indira Devi:
"Zuerst dachte sie, sie werde im Lotossitz
einschlafen, aber als sie sich dann eines Tages niederleiß,
stoppte der elektrische Strom, der vom Ende ihres Rückgrates
emporzuckte, nicht wie gewöhnlich, sobald er den Kopf erreichte.
Statt dessen öffnete sich ihr Haupt, als er es berührte, so
schien es ihr zumindest, und sie befand sich außerhalb ihres
Körpers - trieb auf samtenen Wogen der Seligkeit, weitete sich und
bewegte sich so frei wie die Luft. Da war kein Gedanke, kein Verlangen,
keine Freude, sondern etwas ganz anderes. Ein völlig anderer
Rhythmus, eine andere Welt. Es gab keine Schranken von Ziet und Raum,
obwohl sie ihre eigene Ganzheit beibehielt. Sie konnte ihren
Körper auf dem Fußboden sitzen sehen. Nach einer Weile
spürte sie eine Schwere auf dem Kopf und befand sich wieder in
ihrem Körper. Dies war ihre erste Erfahrung vom Sa-Vikalpa
Samadhi."
Zitat: Hellmuth
Hecker, 'Asiatische Mystiker' S.185-186, Octopus Verl.
Wien, 1981
Über Indira Devi:
"Die zweite Art, auf die sich das
Bewußtsein vertiefte begann mit einem elektrischen Strom, der vom
Ende des Rückgrates ausging und zum Herzen, Nacken und Scheitel
hinaufkroch oder emporzuckte. Auf einmal öffnete sich dann der
Kopf und sie war frei. Frei von der Versklavung des Körpers, auf
samtenen Wellen der Ekstase und Harmonie treibend. Sie sah, wie sie
sich über den Körper, der unbeweglich blieb, weitete. In
diesem Zustand gab es kein Denken. Dennoch dauerte das Gefühl der
Dualität fort, das Ich in ihr blieb - jetzt befreit von den
Grenzen von Raum und Zeit. Die meisten ihrer Visionen kamen in diesem
Zustand. Nach einer Weile spürte sie eine Schwere auf dem Kopf und
fand sich auf der Erde wieder."
Zitat: Hellmuth
Hecker, 'Asiatische Mystiker' S.189, Octopus Verl.
Wien, 1981
A-Vikalpa Samadhi:
Das Schwinden des Ich
" Am 5.Mai 1972
erlebte Dilip Kumar Roy in Madras, wohin er zum Singen
gefahren war, um Mitternacht, daß das Halbdunkel der Nacht
plötzlich gänzlich finster wurde. Er hörte Stimmen
über seinem Kopf, den Namen von Vishnu, und dann bekam er einen
Schlag auf den Kopf:
'Er verursachte eine
furchtbare Explosion, in der mein Körper
verlosch. Aber es war eine köstliche Auflösung, in der ich
spürte, daß mein Ich-Sinn, die Ichhaftigkeit, ahamta,
vollständig verschwunden war und ein Bewußtsein reiner
Seligkeit hinterlassen hatte, von aller Furcht befreit. "
Zitat: Hellmuth
Hecker, 'Asiatische Mystiker' S.180, Octopus Verl.
Wien, 1981
Nir-Vikalpa Samadhi:
Auflösung von Ich
und Welt
Über Indira Devi:
"Wie gewöhnlich stieg ein elektrischer
Schlag vom Ende ihres Rückgrats auf. Ihr Schädel öffnete
sich, und sie war frei von der Knechtschaft ihres Körpers. Wie ein
Vogel, der aus dem Gefängnis heraus gelassen wird, schwang sich
der Geist empor. Es war, als ob sie durch verschiedene Welten triebe
und dem Ruf einer Flöte folge. Indira erinnerte sich, Wesen des
Lichtes und der Harmonie gesehen und die Ekstase der erdnahen
Götter gefühlt zu habe, vor allem aber erinnert sie sich an
den Anruf der Flöte. Er war so nah und dennoch konnte sie ihn
nicht erreichen. Höher und höher stieg sie empor, bis es
nichts mehr gab außer dem Flötenruf, und dieser Ton war zur
Form geworden, eine Realität, die sie irgendwie berühren
wollte. Kaum tat sie es, verwandelte sich die Form in eine blendende
Sonne, die in eine Million Teile zersprang , und dann war nichts, und
dennoch alles. Es gab kein Ich mehr, nichts Erfahrbares, keine Form,
keine Zweiheit, keinen Gott, keinen Adepten. Sie hatte jegliches
Bewußtsein verloren, um Bewußtsein zu werden. Es gab nur
Seligkeit und eine unermeßliche Wirklichkeit, die regierte,
jenseits allen Denkens, aller Beschreibung, aller Vorstellung. Die Zeit
blieb stehen - oder es gab vielmehr keine Ziet - dennoch kehrte sie
nach einer Weile zurück in den Schatten dieser Realität,
dieser Welt."
Zitat: Hellmuth
Hecker, 'Asiatische Mystiker' S.190, Octopus Verl.
Wien, 1981
Sahaja Samadhi:
Wahrnehmung der Welt
im Zustande des Nirvikalpa Samadhi
(Ramana Mahrishi:)
"Was geschah, war, daß meine Wünsche und
mein Ego von mir gingen wie und weshalb, das vermag ich nicht zu sagen
- und daß ich fortan in der Weite zeitlosen Friedens lebte.
Manchmal verharrte ich mit geschlossenen Augen, und wenn ich sie
öffnete, sagten die Leute, ich sei aus meiner gesegneten
Meditation gekommen. Doch ich kannte den Unterschied zwischen
Meditation und Nichtmeditation, ob gesegnet oder nicht, überhaupt
nicht. Ich lebte einfach, ein ruhiger Zeuge all dessen, was um mich
geschah, fühlte mich jedoch niemals aufgerufen, aktiv
einzugreifen. Nie konnte ich den Drang empfinden, etwas zu tun,
außer zu sein, einfach zu sein."
Zitat: Hellmuth
Hecker, 'Asiatische Mystiker' S.178, Octopus Verl.
Wien, 1981
Körpersymptome während der Exstase
Der Körper ist in
Starre und erkaltet während des Samadhi.
Zurückgekehrt ist keine Erinnerung mehr vorhanden.
Ebenfalls Starre, aber
zurückgekehrt ist eine Erinnerung vorhanden.
Keine
Körperstarre, sondern ein Verzückungszustand, oft in
Form eines ekstatischen Tanzes oder einer ekstatischen Gotteshuldigung.
Körper und Geist
sind unter Kontrolle und das Agieren in der Welt
ist unbeeinträchtigt. Nach außen gibt sich der
überbewußte Zustand durch leuchtende Augen und einem
strahlenden Antlitz kund. Sehr starke Ausstrahlung.
Schlagwortartige
Aufzählung einiger typischer Symptome in der
christlichen Ekstase nach:
August Ackermann,
'Mystik und außerordentliche mystische
Vorgänge', Einsiedeln, 1952.
Hiervon ein Auszug:
" Die Ekstase kommt
plötzlich. Sie überrascht bei jeder
Beschäftigung, an jedem Ort, in jeder Lage. 'Sobald die Ekstase
ausbricht wie Pulver aus dem Gewehre'...
Nach der Ekstase
fahren sie mit der Predigt (hl.Thomas von Villanova,
sel.Nikolaus Factor) oder lektüre (sel.Aegidius von Santarem und
Maria von Maille) dort fort, wo sie beim Ausbruch der Ekstase
aufgehört hatten. Die Ekstatiker hatten wohl kein Gefühl der
zeit. Sie meinten zuweilen, die Ekstase habe nur einen Augenblick
gedauert (Cherubin von Stroncone).
Der Ekstatiker ist
unbeweglich wie eine Marmorstatue und bleibt in der
Lage, in der er sich gerade befindet.
Die Ekstatischen
halten krampfhaft die Gegenstände fest, die sie
gerade in den Händen halten und nehmen sie bei der aufsteigenden
Ekstase (Levitation) in die Luft mit. Niemand kann sie ihnen
entreißen. Unzählig sind die Fälle dieser Art, so z.B.
gab Passidea einer Dame die Hände und fiel in Ekstase; die Dame
konnte die Hände erst zurückziehen, als die Ekstase
vorüber war. Man berichtet aus dem Leben der Ekstatiker
hierüber die köstlichsten diesbezüglichen Vorkommnisse.
Das Gesicht
verklärt sich. Das Gesicht mit geschlossenen Augen
erhält den Ausdruck des süßen Schlafes oder der tiefen
Betrachtung.
Es gibt auch die Form
der Entzückung, der Wonne. Die Person ist
wach mit zum Himmel gerichteten, weit offenen Augen. Das Gesicht ist
glühend und leidenschaftlich in verschiedenen Formen mit dem
Ausdruck der Schauung und Erleuchtung, der Freude, des Glückes und
der Liebe, des Schmerzes, je nach Schauung.
Gefühllosigkeit
oder Unempfindlichkeit oder Abwesenheit aller
Sinne bei den Ekstasen wurde mit einer Unmenge von Versuchen
festgestellt, wie durch Stechen, Brennen usw. Keine Fliege auf dem
Weiß der offenen Augen veranlaßt zum Zwinkern der Augen,
wie man bei vielen beobachten konnte, so beim hl. Joseph von Copertino,
bei Maria von Moerl, Anna Katherina Emmerick u.a.
Die Erkältung des
Körpers und die scheinbare Atmungslosigkeit
sind weitere Erscheinungen der Ekstase. Der Körper wird kalt wie
Eis, 'die Hände und der ganze Körper werden so kalt,
daß es scheint, man sei tot'. (Hl. Theresia von Jesus O. Carm.
Von Avila). Ein eigentliches Sterben gibt es in der Ekstase nicht und
ein Tod in ihr ist nur scheinbar, so viermal bei Agnes von Langeac.
'Höhepunkt nenne
ich die Zeit, wo die Seelenfähigkeiten sich
verlieren, weil sie ganz in Gott vereinigt sind. Nach meinem
Dafürhalten sieht und hört und empfindet man nichts.' (Hl.
Theresia von Jesus, 'Leben', 20. Kapitel)
Die Ekstasen treten in
jedem Lebensalter auf.
Die Ekstasen treten
bei einzelnen mehr häufig als selten auf, bei
Elisabeth Spalbeck siebenmal täglich, bei Mutter Agnes von Jesus
2-3 Mal täglich ...Franziska von den Fünf Wunden während
vielen Jahren beständig, bei Franziska Passidea mehr als die
Hälfte des Lebens, so auch ... "


Nachrichten meines Herzens

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