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Bambuseae - Bambusoideae

Bambus Welt, alles ueber den Bambus

Bambus (Bambuseae) ist eine Tribus von Süßgräsern aus der Unterfamilie der Bambusgewächse (Bambusoideae) mit zahlreichen Arten. Es sind grasartig wachsende verholzende Taxa mit schlanken, nicht selten verzweigten, oft meterlangen Halmen, luftigen, zierlichen Blätterkronen, grasartigen Blättern und bisweilen riesigen Blütenrispen.

Die zweite Tribus der Bambusgewächse bilden die Olyreae, Taxa, die wie „normale“ Gräser wachsen, Horste bilden und nicht verholzen. Sie werden selten höher als einen Meter. Ihre Heimat ist Südamerika.

Der Name Bambus wird sowohl auf die Unterfamilie Bambusoideae als auch auf die Tribus Bambuseae angewandt. Dieser Artikel beschäftigt sich mit den 1447 verholzenden Bambusarten der Tribus Bambuseae.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Verbreitung
  • 2 Beschreibung
    • 2.1 Wuchs ausgewählter Arten
    • 2.2 Blütenbildung
    • 2.3 Rhizom und Wuchsform
  • 3 Bedeutung als Nutzpflanze
  • 4 Verwendung
    • 4.1 Lebensmittel
    • 4.2 Gartenbau
    • 4.3 Baustoff
    • 4.4 Gebrauchsgegenstände
    • 4.5 Werkstoffe
    • 4.6 Zellstoff und Textilien
    • 4.7 Inhaltsstoffe
    • 4.8 Energetische Nutzung
  • 5 Kulturelle Bedeutung
  • 6 Systematik
    • 6.1 Subtribus Arthrostylidiinae
    • 6.2 Subtribus Arundinariinae
    • 6.3 Subtribus Bambusinae
    • 6.4 Subtribus Chusqueinae
    • 6.5 Subtribus Guaduinae
    • 6.6 Subtribus Melocanninae
    • 6.7 Subtribus Nastinae
    • 6.8 Subtribus Racemobambodinae
    • 6.9 Subtribus Shibataeinae
  • 7 Fälschlich als „Bambus“ bezeichnete Vertreter anderer Arten
  • 8 Quellen und weiterführende Informationen
    • 8.1 Literatur
    • 8.2 Weblinks
    • 8.3 Einzelnachweise



Verbreitung

Bambusse sind auf allen Kontinenten mit Ausnahme von Europa und der Antarktis beheimatet. Allein 500 Arten der Bambuseae kommen in China vor, weitere 100 meist kleinwüchsige Arten in Japan. Die hohen Bambusarten Japans wurden wohl aus China importiert. Eine große Zahl weiterer Arten stammt aus (Nord- und Süd-) Amerika, 130 Arten allein wachsen in den Anden Südamerikas. Aus Afrika stammen 17 Arten, aus Australien weitere drei. Ihren Verbreitungsschwerpunkt haben sie in den Tropen bis Subtropen, manche Arten gedeihen jedoch auch in kälteren Bereichen gut. So bildet zum Beispiel Chusquea aristata in der östlichen Andenkette noch bei 4700 m NN undurchdringliche Dickichte und findet sich bis an die Schneegrenze, auch im Himalaja steigen einige Arten bis 3800 m NN.

Beschreibung 

Wuchs ausgewählter Arten

Bambuswald am Huang Shan, China
Bambus-Dickicht im Tyler State Park (TX)

Die Zellen der Halme enthalten wie Bäume eine große Menge an Lignin und sind entsprechend hart. Daher können die Halme große Wuchshöhen erreichen. Einige Arten erreichen riesige Dimensionen – so wird zum Beispiel Dendrocalamus brandisii 38 Meter hoch, bei 80 cm Halmumfang.

Bambus Bluete

Blütenbildung 

Die meisten Bambusarten sind monokarpe Pflanzen und sterben nach der Blüte und der Fruchtbildung ab. Sie blühen synchron periodisch, je nach Art alle 12 bis 120 Jahre. Da die Pflanzen in einer Region gleichzeitig blühen, kann dieses Absterben von Pflanzen eine große Region betreffen. Das ist unter anderem in den 1990er-Jahren und 2006 in Europa vorgekommen, wo Bambus als Gartenpflanze genutzt wird. Wegen der seltenen Frequenz ist die Blüte vom Bambus noch nicht eingehend erforscht, es ist z. B. noch nicht bekannt, wieso die Pflanze so selten blüht und was sie zum Blühen anregt. Es wird angenommen, dass die seltene und großflächige Blüte dazu beiträgt, die Samen zu erhalten, da sich keine Tiere auf ihren Verzehr spezialisieren können.

Rhizom und Wuchsform 

Blütenstand – Detailansicht

Bambusse bilden unterirdische Rhizome, die den Wuchstyp des Bambus bestimmen. Dabei unterscheidet man zwei grundlegende Arten: leptomorphe Rhizome und pachymorphe Rhizome.

Leptomorphe Rhizome sind lang und schlank und wachsen horizontal in den oberen 30 cm des Bodens. Sie können mehrere Meter lang werden, bevor sich wieder ein Halm entwickelt. Diese Rhizome können durchaus einige Meter pro Jahr zurücklegen.

Pachymorphe Rhizome sind dick und kurz und bilden in kurzen Abständen neue Triebe. Dadurch wachsen diese Bambusse in mehr oder weniger dichten Horsten und wuchern nicht. Die in Europa häufig zu sehende Gattung Fargesia gehört zu den Bambussen mit pachymorphem Rhizom.

Eine Zwischenstufe bilden amphipodiale Rhizome. Dabei handelt es sich um pachymorphe Rhizome die lange Triebstücke bilden können. Eine Gattung, die eine solche Wuchsform zeigt, ist z. B. Chusquea.

Bedeutung als Nutzpflanze 

Weltweit bedeckt Bambus eine Fläche von ca. 37 Millionen Hektar, davon etwa sechs Millionen in China und neun Millionen in Indien. Je Hektar können 10 bis 15 Tonnen Biomasse pro Jahr nachhaltig gewonnen werden. Belastbares Zahlenmaterial zu Flächen und ökonomischer Bedeutung liegt jedoch nicht vor, unter anderem da die Nutzung häufig lokal erfolgt. Zudem wird Bambus von forstwirtschaftlichen Produktionsstatistiken in der Regel nicht erfasst.

Verwendung 

Bambus ist ein bedeutender, schnell nachwachsender Rohstoff. Vor allem in Asien hat er große ökologische, ökonomische und kulturelle Bedeutung; für etwa 1,5 Milliarden Menschen bilden Bambus und seine vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten eine Lebensgrundlage. Das verholzende Riesengras ist seit Jahrhunderten regionaler Lieferant von Baustoffen und Brennmaterialien. Das Spektrum der Anwendungen reicht dabei von der Verwendung als Nahrungsmittel über die Nutzung als Baumaterial für den Möbel- und Hausbau, die Produktion von Textilien und Biowerkstoffen bis hin zur Nutzung von Pflanzenauszügen (Bambusmilch) bei der Herstellung von Kosmetik- und Pflegeprodukten. Auch energetisch wird Bambus genutzt, beispielsweise in Form von Bambuspellets oder Bambus-Holzkohle, die aus Bambus hergestellt werden.

Lebensmittel


Frische Bambussprossen im Supermarkt
Snack mit frischem Bambus und Mayonnaise in einem kleinen Straßenrestaurant in Taipeh
Bambussprossen in der Kueche, Bambus Rezepte

Die Nutzung als Lebensmittel betrifft vor allem die jungen Schösslinge des Bambusrohrs, die als Gemüse genossen oder in Essig eingelegt werden. Besonders die Gattungen Bambusa, Dendrocalamus und Phyllostachys sind für den Verzehr geeignet. Frisch geerntete Bambussprossen haben ein sehr festes, hellgelbes Fleisch mit schmalen Luftkammern in der Mitte der Sprosse. Sie werden gewonnen, indem sie aus dem Boden ausgegraben werden und sind mit mehreren sehr festen, haarigen und dunkelbraunen Blättern umgeben, die vor dem Kochen entfernt werden. Bambussprossen werden vorwiegend aus Asien und Lateinamerika importiert. In Europa werden sie nur in Italien angebaut. Sie werden auch vorgekocht und abgepackt zum Verkauf angeboten.

Die Schösslinge enthalten ein Toxin (Blausäureglykosid), das durch Kochen neutralisiert werden muss. Da viele Bambusarten auch Bitterstoffe enthalten, sollten diese ebenfalls durch Kochen neutralisiert werden. In Japan werden Bambussprossen z. B. zusammen mit dem Mehl gekocht, das beim Polieren von Reis entsteht („nuka“) und vor allem die äußeren Schichten des Reiskorns enthält. Eingelegte Bambussprossen werden „Achia“ oder „Atchia“ genannt.

Auch das haferähnliche Korn des Bambus ist essbar. Tee enthält vor allem Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Proteine, Fette, Mineralstoffe und Vitamine. Angeblich soll er helfen, Migräne vorzubeugen.

Wirtschaftlich erfolgreich ist der Einsatz von feinem Bambuspulver (oder –fasern) als Zuschlagstoffe für Lebensmittel. Sie sind geschmacksneutral bei einem Ballaststoffgehalt von über 98 %. Diese Bambusprodukte bieten sowohl die ernährungsphysiologische (z. B. Ballaststoffanreicherung, Kalorienreduktion) als auch die technologischen (z. B. Texturverbesserung, Wasserbindung) Vorzüge von Ballaststoffkonzentraten und lassen sich daher vielseitig in der Produktentwicklung einsetzen. Zwar ist ihr Einsatz in Deutschland nicht zugelassen, insbesondere in den USA und Kanada sowie im asiatischen Raum werden sie aber für verschiedene Nahrungsmittel und –ergänzungsmittel genutzt, beispielsweise in Fruchtsäften sowie in Gewürzen, Tabletten, Backwaren und Soßen.

Gartenbau 

Winterlicher Kälteschutz aus Bambusstäben (Japan)

In der chinesischen Gartenkunst ist der Bambus ein wesentliches Gestaltungselement. Auch in europäischen Gärten wurde der Bambus in den letzten Jahren immer beliebter. Dabei kann Bambus u. a. als Hain, Hecke, Bodendecker, Terrassen- und Innenhofbegrünung, Sicht- und Windschutz, für Dachgärten, als Kübelpflanze oder Wintergartenbegrünung eingesetzt werden und ist gestalterisch vielseitig einsetzbar.

Bambus ist eine immergrüne Pflanze. 80 Prozent aller in Deutschland angebotenen Bambussorten (insbesondere Fargesia, Phyllostachys) sind robust und verkraften kurzzeitig Temperaturen bis −20 °C.

Baustoff


Verwendung von Bambus: Ein Baugerüst in Mumbai, Indien
aus Bambus hergestelltes Furnier, unbehandelt
Bambusfahrrad

Bambus ist ein leicht verfügbarer und zugleich hochwertiger Rohstoff. In vielen Eigenschaften ist Bambus den Harthölzern ebenbürtig und in seiner Zähigkeit dem Holz sogar überlegen; durch die Hohlräume ist Bambus extrem leicht und elastisch. Während Bambus in Asien oft als „Holz der armen Leute“ gilt, ist es in Europa ein exklusiver Werkstoff für die Innenausstattung. Die größte Bedeutung hat Bambus traditionell als vielseitiger Baustoff. Die Verwendung reicht von temporären Bauten und dem Hausbau über den Möbelbau bis hin zu technischen Konstruktionen wie Brücken. Als konstruktives Baumaterial sind maßhaltige Bambusstangen mit einem der Anwendung entsprechenden Durchmesser erforderlich. Um die häufige Rissbildung zu minimieren, muss das altersgerecht geerntete Material zeitaufwändig und schonend getrocknet werden. Je nach Verwendung wird das Rohr zu Streifen geschnitten (was auch die Rissbildung minimiert), geschliffen, weiterverarbeitet und gegebenenfalls oberflächenbehandelt.

Aus dem zähen, leichten und sehr harten Holz werden traditionell Häuser gebaut, die Nutzung geht mit der modernen Bautechnik allerdings deutlich zurück und vor allem in Städten finden sich heute kaum noch Gebäude in Bambusbauweise. Früher wurden ganze Dörfer nur aus Bambus gebaut, und der größte Teil der Hauptstadt von Siam schwamm auf Bambusflößen. Auch Brücken und Wasserleitungen wurden aus Bambus gebaut, sowie Gerüste und Straßen. Für die Nutzung als Baustoff ist es allerdings notwendig, dass der Bambus vor seiner Verwendung behandelt wird, um ihn gegen Pilze und Insekten resistent zu machen. Während diese Vorbehandlung bisher vor allem chemisch stattfand, werden derzeit auf Borsalz basierende Lösungen entwickelt. Bei der Verwendung von Bambus als Baustoff ist es wichtig, dass er vor Feuchtigkeit geschützt wird. Dies geschieht dadurch, dass das Gebäude nicht auf dem Boden, sondern einem feuchtigkeitsresistenten Unterbau (Steine oder Betonsockel) steht und dass ein auskragendes Dach den Bambus gegen Feuchtigkeit schützt. In erdbebengefährdeten Gebieten (beispielsweise in Indonesien) zeigt sich, dass Bambushäuser den Erdstößen wesentlich besser gewachsen sind als Backsteinhäuser.

Gebrauchsgegenstände

Bambus wird traditionell auf vielfältige Weisen genutzt, um Möbel und allerlei Hausgeräte herzustellen, unter anderem kunstvoll geflochtene Körbchen, Vorhänge, Dosen u. Ä. Aber auch andere Gegenstände des täglichen Gebrauchs wie Hüte, Körbe und Reusen werden aus Bambus hergestellt. Darüber hinaus dient das lange, krause Geschabsel zum Polstern. Ein Span von keilförmigem Querschnitt, dessen scharfe Kante von der kieselreichen äußeren, ungemein harten Schicht gebildet wird, gibt ein sehr scharfes Messer, die gleiche Schicht dient auch als Wetzstein für eiserne Messer. In einer Bambusröhre, die dabei zwar verkohlte, aber nicht verbrannte, kochten die Javaner an einem Bambusfeuer junge Bambustriebe. In China wurden zu Rollen zusammengebundene Bambusstreifen als Schreibmaterial verwendet. Zerklopfter Bambussplint kann als Pinsel genutzt werden. Eine kletternde Art wird zu allerlei Flechtwerk, Säcken, ja selbst zu Jacken verarbeitet. Auch in Europa wurde Bambus zur Produktion von Stöcken (Pfefferrohr) und Regenschirmstielen genutzt, außerdem können Fahrräder aus Bambus hergestellt werden.[1]

In einigen Ländern und Regionen, zum Beispiel Java (Angklung), China oder Tahiti, werden auch Musikinstrumente aus Bambus hergestellt. In Japan wird Bambus vor allem benutzt, um Flöten wie die Shakuhachi oder Shinobue herzustellen. Auf Hawaii wird Bambus zur Herstellung eines flötenähnlichen Holzblasinstrumentes, des Xaphoons, genutzt. Es gibt jedoch auch Schlag- und Zupfinstrumente aus Bambus.

Auch zu Waffen wurde Bambus verarbeitet: Blasrohre, Pfeilschäfte und Pfeilspitzen, Lanzen und Palisaden bestanden aus dem Material. In Japan wurden aus Bambus in einem komplizierten Prozess die Yumi (Bögen) der Samurai hergestellt. Ähnliche Bambusbögen werden auch heute in Japan und von fortgeschrittenen Schützen in Europa im Kyūdō verwendet. Mit Bambusspitzen bestückte Fallen und Fallgruben wurden noch im Vietnamkrieg im 20. Jahrhundert durch die Nationale Front für die Befreiung Südvietnams eingesetzt. Auch im Kendō wird mit sogenannten Shinai, die ebenfalls aus Bambusstreben bestehen, gekämpft.

Matten, Körbe und Gefäße werden aus schmalen, furnierähnlichen Streifen verschiedener Bambusarten geflochten. Mit Hilfe von Garnen können diese Streifen auch zu Bodenbelägen oder Jalousien verbunden werden; sie sind hart wie Holz und lassen sich wie ein Gewebe zusammenrollen.

Werkstoffe 


Bambus-Stäbchenplatte naturbraun
Bambus-Stäbchenplatte hell


Einen bedeutenden neuen Markt für Bambus-Erzeuger nehmen die Plattenwerkstoffe ein. Die Produkte sind nur etwa halb so teuer wie die konkurrierenden Holzwerkstoffe. Wegen seiner hohen Stabilität und Festigkeit ist Bambus ein idealer Werkstoff für verleimte Platten und Grobspanplatten (OSB; Oriented Strand Board). Seit vielen Jahren wird Bambus-Sperrholz produziert. Es wird in großen Mengen zur Beplankung von LKW eingesetzt. Im konstruktiven Ingenieurbau werden derzeit neue Wege in puncto Erdbebensicherheit mittels Bambuselementen beschritten. Temporäre Bauten und filigrane Konstruktionen werden trotz strenger baurechtlicher Vorgaben zunehmend häufiger realisiert. Geringes Gewicht bei zugleich hoher Zugfestigkeit sind bei allen High-Tech-Anwendungen die technisch und wirtschaftlich kaum kopierbaren Pluspunkte des Bambus.

Bambusparkett ist seit etwa 20 Jahren auf dem Markt erhältlich. Das Bambusrohr wird dazu der Länge nach gespalten und die Streifen werden zu Platten verleimt. Die Nachfrage nach solchem Parkett ist auf Grund der guten gestalterischen und technologischen Eigenschaften weltweit angestiegen. Eine Weiterentwicklung stellt Parkett aus verdichtetem Bambus mit einem Harzsystem als Bindemittel dar, ein strapazierfähiges Material mit vergleichsweise hoher Dichte von 1.100 kg/m3 (Bambusrohstoff: 600–800 kg/m3) und optisch reizvoller Oberfläche. Das Produkt wird als Alternative zu tropischem Hartholz bei Parkett und Terrassenbodenbelägen angeboten.

Bambus lässt sich auch gut mit anderen Werkstoffen kombinieren. Als hochwertige Fasern mit einem günstigen Längen-Dicken-Verhältnis wirkt Bambus verstärkend, beispielsweise in Kombination mit Kunststoffen, als Schleifstaub (z. B. Reststoffe der Plattenfertigung) wirkt er versteifend in Verbundwerkstoffen. Die Zugabe von Naturstoffen soll zudem zu einem stabileren, erdölunabhängigeren Preis der Kunststoff-Compounds führen. Verbundwerkstoffe mit Bambusanteil sind seit einigen Jahren erfolgreich am Markt eingeführt; in Asien werden sie unter der Bezeichnung Wood-Plastic-Composites (WPC) gehandelt. In den USA und Europa allerdings werden unter dieser Bezeichnung gewöhnlich mit Nadelholzfasern gefüllte und verstärkte Verbundwerkstoffe verstanden. Für speziell aufbereitete Bambusfasern, besonders in Kombination mit Biokunststoffen, werden in der zukünftigen Werkstoffentwicklung erhebliche Marktchancen gesehen. Auch in Beton können größere Mengen Bambusfasern als preiswerter Zuschlag und Faserverstärkung eingesetzt werden, wie Versuche in Asien und Europa zeigen. Der Markt für derartige innovative Biowerkstoffe verzeichnet Wachstumsraten von jährlich bis zu 50 Prozent.

Bambus Kleider, Bambus Stoffe, Textilien aus BambusZellstoff und Textilien 

Bambus enthält nur 2-3 mm kurze Zellulosefasern, die daher nicht spinnbar sind. Die heute vielfach aus Marketinggründen als „Bambus-Textilien“ (woven bamboo) angebotene Bekleidung, vor allem Strümpfe, besteht aus Viskosefasern. Hierbei dient Bambus lediglich als Rohstoff für die daraus in einem chemischen Prozess gewonnene und zur Viskosefaser weiterverarbeitete Cellulose. Neben Bambus können beispielsweise auch Buche, Birke, Kiefer, Fichte, Pinie oder Eukalyptus als Celluloserohstoff für die Viskosefaserherstellung verwendet werden. In der Regel liegt bei der Bezeichnung „Bambus-Textilien“ daher eine Irreführung der Verbraucher vor. [2] Daneben gibt es Textilien aus der echten Bambus-Bastfaser. Die Bambus-Bastfaser wird einem mit der Leinenfasergewinnung vergleichbaren Verarbeitungsprozeß unterzogen. Danach wird die Bambus-Bastfaser im Lang- oder Kurzstapelverfahren zu einem Garn versponnen.

In China wurde historisch das meiste Papier aus dem Zellstoff junger Bambustriebe erzeugt. Bambus wird seit Jahrzehnten in erheblichem Umfang in der asiatischen und südamerikanischen Zellstoff- und Papierindustrie eingesetzt. Der Anteil des Bambus wird zwar global gesehen und relativ zum Einsatz von Holz als rückläufig bewertet, denn der schnellwachsende Eukalyptus und die langfaserigen Kieferngehölze liefern wirtschaftliche Vorteile für die Industrie, China wird dennoch vor allem auf Grund der riesigen (Binnen-)Nachfrage und begrenzter Holzvorräte weiterhin auf Bambus setzen. Auf Jamaika wird sehr viel Bambusfaser für die nordamerikanische Papierfabrikation gewonnen.

Inhaltsstoffe 

Die moderne Biotechnologie ist ein wichtiges Standbein zur Sicherung der Rohstoffbasis für die Chemische Industrie und die Pharmazie. Gerade in Zeiten der Verteuerung erdölbasierter Produkte stellen komplexe, biobasierte Grundstoffe eine ökonomische Alternative dar.

Bambuskampfer (Bambuszucker, Tabachir) ist ein chemischer Grundstoff, der sich als Konkretion aus der wässrigen Lösung in einzelnen Bambusarten entwickelt. Der Stoff bildet in den Internodien der Pflanze unregelmäßige, erbsengroße, weiß-gelbliche oder bräunliche, opalartig durchscheinende Ablagerungen. Sie können leicht in Handarbeit aus dem gespaltenen Halm gekratzt werden und stellen ein Zusatzeinkommen für Bambus-Besitzer dar. Bambuskampfer wird in der chinesischen Medizin auch als Poliermittel eingesetzt. Er wird in großer Menge in arabische Länder exportiert.

Weitere chemische Grundstoffe, vor allem Flavonoide, werden aus den Bambusblättern gewonnen. Flavonoide kommen in vielfältigen Strukturen in praktisch allen Nahrungspflanzen vor. Die meisten Flavonoide sind an Glucose oder Rhamnose gebunden und wirken als Antioxidantien. Viele der Wirkfunktionen sind jedoch noch unerforscht, hier wird ein großes Potenzial gesehen. Vor allem die Kosmetikindustrie hat die Vorteile aufgegriffen und setzt flavonoidhaltige Pflanzenauszüge vermehrt in Antifalten- oder Sonnencremes ein, kombiniert mit Vitaminen. In Europa sind außerdem Körperpflegeartikel (Duschgel, Seife, Badezusatz etc.) und Arzneimittel mit solchen Inhaltsstoffen auf dem Markt.

Energetische Nutzung 

Bambus als BrennstoffHolzkohle aus Bambus ist in Asien ein altbekannter Energieträger zum Kochen und Heizen – und ein wichtiger Energieträger für die Industrie. China exportiert jährlich größere Mengen dieser Holzkohle nach Japan. Die hochverdichtete Bambus-Holzkohle hat eine zweieinhalbfach höhere Brenndauer als herkömmliche Holzkohle. Aus diesem Markt heraus werden seit einigen Jahren neue, höherwertige Anwendungen erschlossen, beispielsweise Filtersysteme für die Industrie oder zur Wasseraufbereitung, desodorierende Mittel oder hochwertige Zeichenkohle. Bambus-Pellets sind nicht nur preislich eine konkurrenzfähige Alternative zu Brennholz: Bambus hat bei gleicher Rohdichte den dreifachen Energiegehalt. Der globale Markt wächst rapide; die Nachfrage stieg allein in den Niederlanden und in Großbritannien in zwei Jahren von null auf über eine Million Tonnen.

Das primäre Verbrennen von Bambus wird jedoch ähnlich wie bei Holz kritisch betrachtet – in der Regel bietet die stoffliche Nutzung, bzw. die Herstellung hochwertiger Produkte, eine wesentlich höhere Wertschöpfung. Im Sinne einer Kaskadennutzung kann am Ende des Produktlebens immer noch die thermische Verwertung stehen. Zudem beeinflussen Prozess- und Transportemissionen die Ökobilanz und die bei Biomasse grundsätzlich CO2-neutrale Verbrennung negativ. Im dörflichen Bereich gibt es oftmals keine Alternative zur Verbrennung, da die Bewohner auf kurzfristig verfügbares Material zum Kochen oder Heizen zugreifen müssen.

Bambus Malerei von Xu Wei (China, 1521–1597)

Kulturelle Bedeutung 

Dem Bambus werden verschiedene symbolhafte Bedeutungen zugeordnet. So ist er beispielsweise in China ein Symbol für langes Leben, in Indien jedoch ein Symbol der Freundschaft. Auf den Philippinen werden Bambuskreuze von Landwirten als Glücksbringer aufgestellt.

In Japan ist Bambus ebenfalls ein positiv besetzter Begriff. Bambus wächst sehr gerade, und aufgrund seiner frischen grünen Farbe gilt er als Symbol der Reinheit. Er tritt als Symbol auch zusammen mit Kiefernzweigen und Pflaumenblüten auf. Die drei Pflanzen werden nicht nur als Glückssymbole eingesetzt, sondern auch, um wie z. B. bei Sushi verschiedene Preisstufen zu markieren (von unten nach oben: sho – chiku – bai, Kiefer – Bambus – Pflaume). Am Jahresende wird auf jeder Seite der Eingangstür ein Gebinde aus Bambusrohren und Kiefernzweigen aufgestellt, das Glück bringen soll („kadomatsu“).

Da Bambus nur selten blüht und die Samen vorwiegend während Hungerzeiten gegessen wurden, wird die Bambusblüte in manchen Kulturen als Vorbote einer Hungersnot interpretiert. In einigen Kulturen Asiens, z. B. in den Andamanen, wird davon ausgegangen, dass die Menschheit bei ihrer Entstehung aus einem Bambusrohr herausgetreten ist. In Malaysia und Japan gibt es Legenden über eine junge (und sehr kleine) Frau, die in einem Bambusrohr lebt und erscheint, wenn das Rohr gekappt wird (Taketori Monogatari).

Systematik

Glücksbambus, kein BambusFälschlich als „Bambus“ bezeichnete Vertreter anderer Arten

Unter der aus botanischer Sicht völlig abwegigen Bezeichnung „Glücksbambus“ oder der englischsprachig anmutenden Benennung „Lucky Bamboo®“ kommen Sorten der pflanzensystematisch von Bambus weit entfernten Drachenbaumarten Dracaena sanderiana und Dracaena fragrans in den Handel. Der Name Glücksbambus ist ein eingetragenes Warenzeichen. Er wird in Europa in vielen Möbelhäusern, Baumärkten, Supermärkten, Gartencentern und Blumengeschäften angeboten.

Ebenfalls kein echter Bambus ist das Seychellengras, das als „Zwergbambus“ oder auch „Bonsai-Bambus“ angeboten wird. Der „Hängebaumbambus“ ist ebenso ein Gras, das sogenannte Flechtstraußgras. Weitere fälschlicherweise als Bambus bezeichnete Pflanzen sind „Himmelsbambus“ und „Mittelmeerbambus“.

Quellen und weiterführende Informationen 

Literatur 

  • Simon Crouzet und Oliver Colin: Bambus. Agrarverlag, 2003, ISBN 3-8001-4195-7.
  • Christian Gahle & Alexandra Brunnert: Bambus: Vom regionalen Baustoff zum globalen Rohstoff. Bambus-Journal 3/2008; ISSN 0942-4679

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Bambus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Bambus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise 

  1. Bambus-Fahrrad von 1895
  2. Textilien aus Bambus - Schein oder Wirklichkeit , Statement von Hans-Jürgen Kleine (EBS - European Bamboo Society Sektion Deutschland e.V.)
Fonte: http://de.wikipedia.org/wiki/Bambus

Informationen zum Bambus

Egal ob Sie als Hobbygärtner den eigenen Garten bepflanzen oder als Gartenarchitekt ganze Blumenschauen ausrichten, Bambus hat eine Faszination, die jeden ansteckt.

Hier finden sie das Grundwissen um den Bambus: Richtiges Pflanzen mit Rhizomsperre und welche Arten diese nicht benötigen, Pflegetipps und Winterschutz, im Kübel oder im Garten, Pflanzzeiten, Düngung und die richtige Erde. Und was war eigentlich mit der Bambusblüte vor einigen Jahren?

Die Informationen, die wir hier gesammt haben, stammen zum grossen Teil auch von den vielen, vielen Besuchern im Bambus-Forum, die durch ihr Wissen (und ihre klugen Fragen) so viele Aspekte des Bambusses beleuchtet haben. Besonderes danken möchten wir Herrn Uli Drescher, der mit der ersten Textfassung die Grundstuktur zu dieser Rubrik gelegt hat.

Wir sind sicher, dass Sie hier alles Wissenswerte finden:

Rhizome
    Horst- und hainbildender Bambus
    Rhizomsperre®
    Alternativen zur Rhizomsperre

Lebenszyklus
    Pflanzzeit
    Vermehrung
    Wachstum
    Bambusblätter
    Bambusblüte

Standortfaktoren
    Bodenverhältnisse
    Klimatische Einflüsse
    Bambus als Sichtschutz
    Bambushecke
    Grenzabstand
    Hangbepflanzung
    Kübel / Terrasse
    Wintergarten / Zimmer

Formgebende Pflege
    Zurückschneiden
    Wässern
    Düngung
    frux Bambuserde
    Höhenbegrenzung
    Formschnitt , engl. Topiary

Pflege im Jahreswechsel
    Frühjahr
    Sommer
    Herbst
    Winter
    Wintertipps für Ihren Bambus

Schäden
    Schädlinge / Krankheiten
    Winterschäden
    Hilfe bei Winterschäden

Produkt und Anwendung
    Bambushalme
    Deko-Halme
    Bambusfloristik
    Bambuszäune
    Bauen mit Bambus
    Taketombos
Fonte: http://www.bambus.de/infos.html


Bambus in Taiwan


Bambusstuhl

Bambusgestell für eine Waschschüssel. (Aus der Sammlung von Patrick Lee)

Die Schönheit von Bambus liegt in den starken, langen und würdevollen Abschnitten des Schaftes und auch in der geraden, glatten und eleganten Erscheinung. Seine Blätter wiegen sich im Wind und sind doch fest und scharfkantig. Zwar ist Bambus hohl, aber er besitzt starke Verbindungen. Er widersteht Unwettern und bleibt das ganze Jahr über grün. Außerdem machen seine „aufrechte“ Form, das „leere“ Innere und die „fesselnden“ Verbindungsknoten ihn zu einem Symbol für edlen Charakter und lautere Integrität. Während des Neujahrsfestes nach dem Mondkalender drücken die Menschen ihre Wünsche mit dem Wort Bambus aus — etwa zhubao ping’an 竹報平安 (in einem auf Bambusstreifen geschriebenen Brief nach Hause mitteilen, dass alles in Ordnung ist), oder baozhu yisheng chu jiusui 爆竹一聲除舊歲 (das alte Jahr mit dem Klang von Bambusknallkörpern verabschieden). Eine andere Redensart, qing mei zhu ma 青梅竹馬 (wörtlich: grüne Pflaumen und Bambuspferd), beschreibt eine Freundschaft von Kindheit an.

Taiwans geografische Lage ist für das Gedeihen von Bambus ideal. Sowohl der tropische Bambus Pachymorph rhizomes (Taiwan-Riesenbambus, Oldham-Bambus, Stachelbambus, Langzweigbambus und Heckenbambus) als auch der winterharte Bambus Leptomorph rhizomes (Mosobambus, Makinobambus und Kunishirohr) wachsen auf der Insel, und es fühlen sich ausländische wie auch einheimische Sorten wohl, vom zehn Zentimeter langen Zwergweißstreifen-Bambus bis zum Riesenbambus, der 40 bis 50 Meter hoch werden kann. Üppiges Grün und Bambusdickicht bestimmen die typische bäuerliche Dorflandschaft Taiwans. Viele Stadtbewohner, die beengt in Beton-, Stahl- und Glasgebäuden hausen, sehnen sich immer noch nach dem Komfort eines „mit Bambus geschmückten Hauses“.

BambuszeichnungAm Rohstoff Bambus herrscht in Taiwan kein Mangel. In der Vergangenheit war Bambus untrennbar mit dem Leben der Menschen verbunden: Gewebtes und Möbel, „Geistergeld“ aus Bambus, das als Opfergabe für die Götter und Geister verbrannt wurde, Orakelklötzchen, oder auch beim Bau hoher Gebäude verwendete Gerüste. Staatliche Forschung und Förderung des Bambusanbaus und der Verarbeitungstechniken machten Bambusmaterialien und -produkte während Taiwans rasanter wirtschaftlicher Entwicklung zu einem wichtigen Handwerkserzeugnis für den Export. Zum Beispiel produzierte Taiwan einst über 90 Prozent aller von Ingenieuren benutzten Reduktionszirkel der Welt (das dreieckige Achsengelenk ist aus Bambus). Heute haben neue Technologie, Mischmaterialien oder auch Billigimporte von Bambus, Rattan und Holzprodukten Taiwans gewerbliche Bambusproduktion verdrängt. In kulturellen und künstlerischen Bereichen indes blieb Taiwans traditionelle Essenz bei konstanter Innovation erhalten, während kreative Vielfalt, Freiheit und Erneuerung angenommen wurden, so dass Taiwan ein wichtiges Bambuskulturzentrum der Welt wurde.

Bevor die han-chinesischen Pioniere zur Öffnung Taiwans im 17. Jahrhundert eintrafen, benutzten bereits die Ureinwohner, die seit Jahrhunderten auf der Insel lebten, geschickt Bambus und Holz zum Bau von Ahnenschreinen, Versammlungshäusern, Wohnstätten, Kornspeichern und Wachtürmen. Fischreusen, Vorratsbehälter, Körbe zum Tragen auf dem Rücken, runde flache Körbe zum Sieben und Aufbewahren von Nahrungsmitteln, Rüstungen und Regenmäntel wurden größtenteils aus Bambus hergestellt. Die Spiralwebtechnik ist ein kennzeichnendes Handwerk der Völker der austronesischen Sprachfamilie. Musikinstrumente aus Bambus wie die Maultrommel, die Nasenflöte und die Bogengeige gelten als Juwelen der Volksmusik.

Bambusbehälter für Orakel-streifen

Bambusbehälter für Orakelstreifen und mondsichelförmige Holzklötzchen für Orakelzwecke sind in Tempeln in ganz Taiwan in Gebrauch. (Aus der Sammlung von Patrick Lee)
 
mondsichelförmige Holzklötzchen für Orakelzwecke

In der Vergangenheit maßen Taiwans hochrangige Beamte, die Oberschicht, Kaufleute und Bauern dem Wissen große Bedeutung bei. Die für ihre besondere Vorliebe für Literatur bekannten Gelehrten ergötzten sich auch an Lyrik, Schreiben, Kalligrafie und Malerei, und der feinen Kunst des Gartenbaus wurde ebenfalls große Bedeutung beigemessen. „Bambus“ benutzten viele von ihnen als Pseudonym oder bezeichneten ihr Haus oder Studierzimmer als Bambushang, Bambuswald, Bambus-Studierzimmer, Bambushütte, Bambusveranda, Bambus-Einsiedelei oder Bambusstrom. Seitlich an der Rückwand eines traditionellen taiwanischen Hauses wurden oft Verspaare mit der Aufschrift „Überreichlich wachsender Bambus und Pinien“ aufgehängt, ein Ausdruck für den Wunsch der Familie nach Wohlstand, Stabilität und Gehorsam gegenüber den Eltern. Neben der Eingangstür wurde häufig ein Bambushain angepflanzt, der Vulgarität austreiben und Eleganz und Schönheit ins Haus bringen sollte. Ein Übertopf mit Pinien, Bambus und Pflaumen wurde ebenfalls aufgestellt, um ihre unverwüstliche Fähigkeit als „drei Freunde des Winters“ zu symbolisieren. Alte buddhistische Tempel in Bambuswäldern maßen der Platzierung von Bambus und Steinen größere Bedeutung bei, weil diese Erfrischung, Erhabenheit und Würde symbolisierten. Pflaumen, Orchideen, Chrysanthemen und Bambus nennt man die „vier Edelmänner“; Pinien, Bambus, Pflaumen und Orchideen die „vier Freunde“; und Pflaumen, Bambus und Steine die „drei Reinheiten und drei Vorzüge“. Sie waren beliebte Motive für Gemälde und Schnitzereien an Wänden, Fenstern, Türen, Fenstergittern und Möbeln. In traditionellen Gebäuden ist es üblich, dass die Wände, Geländer oder kurzen Pfeiler in gewundenen Fluren aus grünglasierter Keramik mit Bambusmuster gemacht sind. Steinsäulen werden oft mit Bambusmustern beschnitzt, und die Fenster waren in verschiedenen Bambusformen gestaltet. Solche genialen Ausdrücke spiegeln eine aufrichtige Hochschätzung für Bambus wider.

Bambus Kunsthandwerk

In den Geburtstagsgebeten für Langlebigkeit ersetzt ein mit Nudeln drapierter Bambusrahmen das Opfer eines lebenden Tieres. (Aus der Sammlung von Patrick Lee)

Bambus wird zur Herstellung einer erstaunlichen Vielfalt von Dingen benutzt

Schreibmaterialien: Schreibpinsel, Pinselgestelle und Rollpapiervorhänge.

Traditionelle Musikinstrumente: Bambusflöten (Querflöten und normale Flöten), Rohrblattpfeifen, Bambus-Klanghölzchen, Kastagnetten und Klöppel.

Kinderspielzeug: Bambuslibellen, Spritzpistolen, Drachen und Brummkreisel.

Persönliche Artikel: Ohrschaber, Rückenkratzer.

Unterhaltung: Taubenglocken, Mahjongg-Steine.

Landwirtschaftliche Geräte: Bambushüte, Tragestangen, Viehstangen, Viehtrensen, unterschiedliche Bambuskörbe, Reissiebe, Körbe zum Teepflücken oder Trocknen, Kehrbleche, Bambusschaufeln, Bananenkörbe, Verpackung für Reisschösslinge, Bewässerungskübel und Bambusharken.

Tuschegemälde mit Bambusmotiv von Zheng Banqiao

Ein Tuschegemälde mit Bambusmotiv von Zheng Banqiao. (Aus der Sammlung des Nationalen Palastmuseums Taipeh)

Fischereigeräte: Angelruten, Fischfallen und Fischkörbe.

Familienutensilien: Bambusstangen, Bambusleitern, Bambusfächer, Bambusbesen, Holzkohlenkörbe, Dämpfaufsätze, Kochsiebe, Reissiebe, Reisschöpflöffel, Essstäbchen, Bambuszahnstocher, Bambusgabeln und Teetabletts.

Utensilien für den täglichen Gebrauch: Bambusbetten, Bambustische, Stühle, Schränke, Hocker, Lehnstühle, Kinderstühlchen und Wiegen.

Zeremonielle Artikel/traditionelle Artikel: Körbe für Geistergeld, Geschenkkörbe, Betelnusskörbe und Reisnudelkörbe.

Hochzeits- und Festbedarf: Körbe für Knallkörper, Ehevermittlerkörbe, Reissiebe „doppelte Glückseligkeit“, Fächer zum Zusammenfalten, Laternen mit Familiennamen-Aufschrift und Laternen „gedeihendes Vieh“.

Bambuskörbe für Garnelen

Bambuskörbe für Garnelen. (Aus der Sammlung von Patrick Lee)

Diese zahlreichen Artikel sind nicht nur nützlich im Alltagsleben, sondern verkörpern auch die Nähe zur Natur und die Dankbarkeit dem Himmel gegenüber. Außerdem drücken sie einen besonderen Sinn für Ästhetik aus.

Vom handwerklichen Standpunkt aus gelten Bambusmöbel als „grobe“ Bambusarbeit, im Gegensatz zur „feinen“ Bambusarbeit, die aus feinen Bambusstreifen gefertigt wird. Die Fähigkeit zur Herstellung von Bambusmöbeln ist einzigartig bei den Han-Chinesen. Zu den besonderen Fertigkeiten zählen das Bohren von Zapfenlöchern in Bambusabschnitten, das Erhitzen von Bambus zum Biegen, Einfügen von Zapfen und Bambusnägeln sowie Verschrauben. Bei Bambusmöbeln sind die Einzelteile sehr fest miteinander verbunden, daher sind sie äußerst robust.

Eine Garnitur zueinander passender Bambus Lehnstühle demonstriert eine hochentwickelte Handwerkskunst

Eine Garnitur zueinander passender Lehnstühle demonstriert eine hochentwickelte Handwerkskunst und ein elegantes Design. (Aus der Sammlung von Patrrick Lee)

Die zeitgenössische Bambuskunst in Taiwan hat große Leistungen erbracht. Auf der soliden Grundlage der traditionellen Bambuskunst sammeln die Künstler Informationen, ersinnen neue Ideen und Designs und entwickeln neue Fertigkeiten. Bei der Auswahl von Materialien geht man heute mit größerer Sorgfalt vor als in der Vergangenheit. Bambuskünstler machen heute nicht nur Dinge für den praktischen Gebrauch, sondern Werke mit persönlicher Note, die in Kunstgalerien ausgestellt werden.

Kinderwagen aus Bambus

Alles, was ein Kind begehrt: ein Kinderwagen aus Bambus. (Aus der Sammlung von Patrick Lee)

Die Resonanz akademischer Zirkel auf kunsthandwerkliche Dinge aus Bambus ist sogar noch enthusiastischer als je zuvor. Immer mehr Gelehrte forschen und schreiben über Kunsthandwerk. Allgemein gesagt: In dem Maße, in dem Künstler auf den Plan treten, die Bambusflechtereien herstellen, nimmt auch der Erfolg von Bambusprodukten zu. Das handwerkliche Niveau der Künstler und auch die Stile der Arbeiten übertreffen bei weitem jene der (mandschurischen) Qing-Dynastie (1644-1911) oder aus der japanischen Kolonialzeit (1895-1945). Kolorierungen und Farben sind farbechter und weisen eine ungleich größere Vielfalt auf.

Bambusschnitzerei beschränkt sich nicht auf traditionelle Skulpturen und auf Stiftbecher geschriebene Verspaare, Armstützen (die man beim Malen und Schreiben von Kalligrafie benutzte) und Fächerrahmen. Die modernen Künstler sind innovativ, ihre Designs gehen über die lange Form von Bambus hinaus. Dank der neuartigen Messer und Schnitzwerkzeuge können Künstler ihre kreativen Ideen freier ausdrücken und einen größeren Themenbereich abdecken, mit Motiven, welche die Gelehrten interessieren, Themen aus lokaler Literatur, volkstümlichen Sitten und Religion.

Eine bemerkenswerte Entwicklung der jüngeren Zeit betrifft Lackkörbe, für die man die Kunst des Bambusflechtens und der Herstellung von Lacküberzügen beherrschen muss. Solche Dinge sind schwieriger anzufertigen, und es befassen sich entsprechend weniger Künstler damit. Lackkörbe sind eine neue Entwicklung, aber auch mit sehr wenigen Beschränkungen der Tradition gebunden, so dass die Künstler ihre kreativen Ideen voll ausschöpfen können. Lackkörbe haben der taiwanischen Bambuskunst eine neue Atmosphäre beschert.

Autor: Chiang Shao-ying
Fonte: http://www.gio.gov.tw/taiwan-website/abroad/de/culture/bamboo/index.htm


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